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Sonderausstellung 2012 "Ab in die Ferienkolonie"

Dauer:  13. Juni bis 30. Dezember 2012

Zur Ausstellung

Ferienkolonien

Der Aufenthalt in einer Ferienkolonie gehört zum Erinnerungsschatz vieler Leute. Zum ersten Mal durchgeführt wurde ein solches Lager im Sommer 1876 im Appenzellerland. Als Erfinder gilt der Stadtzürcher und vormalige Trogner Pfarrer Walter Bion. Sein neues Modell der Erholungsfürsorge für Kinder aus armen Verhältnissen avancierte innert kurzer Zeit weit über die Schweizer Landesgrenzen hinaus zum Erfolgsmodell. Die Ferienkolonien gelten als «ein schöner Ruhmestitel der Schweiz» und als «eine Schweizer Idee von Weltrang». Nach 1980 wurden zahlreiche Ferienkolonien wieder aufgehoben.

Pfarrer Walter Bion (1830–1909) entwickelte die Ferienkolonien aufgrund seines Gesundheitsverständnisses und von Beobachtungen an seinen Kindern. Nach dem Umzug vom 900 Meter hoch gelegenen Appenzeller Dorf Trogen in die engen Gassen der Altstadt von Zürich beobachtete er, dass seine Kinder bald «von ihrer körperlichen und geistigen Frische einzubüssen» begannen. Er brachte sie deshalb in den Sommerferien zur Erholung in seine alte Heimat, von wo sie «auffallend gestärkt und erfrischt» zurückkehrten. «Da lag mir der Gedanke nahe: wenn deinen gesunden Kindern bei verhältnismässig guter Wohnung und Ernährung eine Ferienerholung auf dem Lande so notwendig war und so wohl bekam, wie viel mehr wird dies bei kränklichen Kindern der Fall sein, die in schlimmen Wohnungs- und Ernährungsverhältnissen leben. Auf meinen Gängen durch die Strassen der Stadt und bei Besuchen in den Häusern sah ich, wie übel diese armen Kinder über die Ferien aufgehoben sind, wie sie nicht nur, während dieser Zeit meist in die engen dumpfen Wohnungen und Strassen gebannt, keine körperliche Stärkung empfingen, sondern auch ohne gehörige Aufsicht (da ihre Eltern durch Berufsgeschäfte meist ausser dem Hause in Anspruch genommen sind) auf den Strassen herumlungerten, sittlich verwahrlosten, so dass sie leiblich und moralisch reduziert in die Schule zurückkehrten. Ein tiefes Erbarmen erfasste mich mit diesen Kindern, und aus diesem Erbarmen heraus wurde die Idee der Ferienkolonie und deren Verwirklichung geboren.»

Der Hauptzweck der Kolonien lag vorerst bei der Gesundheitsfürsorge für unbemittelte Kinder. Der Erholung und der Stärkung förderliche Elemente wie eine grosszügig bemessene, gesunde Ernährung, die «Liegi» (= Liegekur) nach dem Mittagessen und ausreichende Bewegung prägten den Tagesablauf. Gewichtskontrollen am Anfang und am Schluss dienten der Erfolgskontrolle. Ab etwa 1930 schob sich dann zunehmend die erzieherische Seite in den Vordergrund. Es traten zudem neue Anbieter auf den Plan, welche die Ferienkolonien teilweise für die Verbreitung politischer und religiöser Ideale benutzten. Nach 1950 verloren die Ferienkolonien aufgrund des rasch steigenden Wohlstands ihren ursprünglichen Zweck und damit ihre Unverwechselbarkeit. Die Neuausrichtung legte die Akzente auf eine sinnvolle Freizeitgestaltung. In Konkurrenz zu einer stetig wachsenden Zahl von Anbietern in diesem Bereich vermochten sich nur wenige der traditionellen Ferienkolonieorganisationen bis ins frühe 21. Jahrhundert zu halten.

Ausgehend von Originalgegenständen bietet die Sonderausstellung im Museum Herisau einen allgemeinen Überblick über die Ferienkoloniebewegung. Originalbetten, Filme, Fotos, Lagerbücher, Gewichtstabellen und andere Objekte ermöglichen Einblicke in mehr als 130 Jahre Kolonieleben. Detaillierter eingegangen wird auf die Koloniehäuser im Appenzellerland, von denen es einst mehr als vierzig gab. Zahlenmässig die weitaus häufigsten Gäste waren die «Mastchälber aus dem Züribiet».  

LinkVeranstaltungen zur Sonderausstellung
PDF Information Museum Bericht Appenzeller Zeitung über die Vernissage
PDF Information Museum Bericht Appenzeller Zeitung über die Vernissage des Buches
LinkPlakat zur Sonderausstellung


Ab in die Ferienkolonie - Publikation Begleitpublikation "Ab in die Ferienkolonie - Blickpunkt Appenzellerland"
Herausgegen von Museum Herisau und Staatsarchiv AR
unter Leitung von Peter Witschi
hier+jetzt-Verlag für Kultur und Geschichte, Baden 2012
ISBN 978-3-03919-258-8

Linkhier+jetzt-Verlag

 

 

Veranstaltungen zur Sonderausstellung

Vernissage der Sonderausstellung
Dienstag, 12. Juni 2012, 18:00 Uhr, Museum Herisau

Vernissage der Begleitpublikation "Ab in die Ferienkolonie - Blickpunkt Appenzellerland"
Samstag, 30. Juni 2012, 16:30 Uhr, Gästehaus "Hirschen", Schwellbrunn (Ferienkolonieheim Thalwil)

öffentliche Führungen
Sonntag, 5. August 2012, 11:00 Uhr, Museum Herisau
Sonntag, 23. September 2012, 11:00 Uhr, Museum Herisau
Sonntag, 11. Oktober 2012, 11:00 Uhr, Museum Herisau
Sonntag, 18. November 2012, 11:00 Uhr, Museum Herisau

Finissage mit öffentlicher Führung
Sonntag, 30. Dezember 2012, 11:00 Uhr, Museum Herisau

 

 

 

 

 

Willk