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Sonderausstellung 2015

„Bourbaki, Deutsche, Polen, Briten – Kriegsinternierte im Appenzellerland 1871–1945“

Vom 12. Juni bis 27. Dezember 2015 zeigt das Museum die neue Sonderausstellung. Die öffentliche Vernissage findet am 11. Juni um 19:00 im statt.


Was haben ein Kriegsfreiwilliger aus Berlin (geb. 1896), der am 26. Oktober 1914 in Flandern verwundet und gefangen wurde, ein Deck-Offizier aus Kiel (geb. 1885), dessen U-Boot im November 1914 vor Schottland versenkt wurde, und ein deutscher Wissenschaftler, der auf Samoa den Nashornkäfer bekämpft hatte, gemeinsam? Sie gehörten zur grossen Zahl der Männer, die während Kriegen im Appenzellerland interniert waren. Auch der Nordafrikaner Ab del Kader (1871 in Herisau), der Franzose Jean Lucien Admirand (1940 Jakobsbad) und der Brite Jack Acton (1943/44 Heiden und Schönengrund) weilten aus diesem Grund hier.

Internierung bezeichnet im juristischen Sinne einen staatlich organisierten Freiheitsentzug mit dem Ziel, Einzelne oder Gruppen in speziellen Lagern von der übrigen Bevölkerung zu isolieren. Im Kriegsfall haben Staaten laut Genfer Konvention das Recht, auf ihrem Gebiet befindliche Angehörige feindlicher Staaten zu internieren, das heisst ohne Anklage auf unbestimmte Zeit gefangen zu halten. Auch neutrale Staaten haben die Möglichkeit bzw. die Pflicht, Angehörige kriegführender Staaten zu internieren.

Die erste Internierung einer ganzen Armee durch einen neutralen Staat stellt die Aufnahme der französischen Bourbaki-Armee in der Schweiz im Januar 1871 dar. Gut 87 000 Soldaten traten auf Schweizer Gebiet über und blieben danach fast drei Monate interniert (oder neutralisiert). Rund 1600 von ihnen kamen ins Appenzellerland. Ein zweites Mal wurde eine ganze Armee im Juni 1940 am selben Grenzabschnitt in die Schweiz gedrängt. Die ihr angehörenden Polen blieben bis Kriegsende interniert.

Steinmauern auf vielen Appenzeller Alpen erinnern an ihre Arbeitseinsätze. In Herisau bestand zeitweise eine polnische Hochschule, in Oberegg ein Offiziers-Straflager. Während dem Zweiten Weltkrieg weilten zudem Internierte aus vielen anderen Staaten in der Schweiz, insgesamt fast 105 000. Im Appenzellerland weilten Franzosen, Engländer, Schotten, Australier, Südafrikaner, Inder, Italiener und Russen während unterschiedlich langer Zeit.

Einen anderen Charakter hatte die Internierung von Militärangehörigen aus kriegführenden Staaten während dem Ersten Weltkrieg. Es waren Kriegsgefangene mit Verwundungen und chronischen Krankheiten (insgesamt 67 726), die von 1916 bis 1918 in der Schweiz weilten – die Franzosen, Belgier und Engländer in der Westschweiz, im Berner Oberland und in Teilen der Zentralschweiz, die Deutschen in der restlichen Deutschschweiz. Im Appenzellerland gab es Lager in Gonten, Heiden, Herisau, Oberegg, Speicher, Teufen, Trogen, Waldstatt und Walzenhausen.

Ausgehend von Einzelschicksalen gibt die Ausstellung Einblicke ins Interniertenleben im Appenzellerland: Private Helsdon aus Oakham war begeistert von den Federbetten in Oberegg; Leutnant Bulle aus Berlin heiratete während der Internierungszeit in Teufen seine Verlobte aus der Steiermark; Leutnant Bornhausen aus Marburg hielt in Heiden einen vielbeachteten Vortrag zum Jubiläum der Reformation; Albert Servaes aus Flandern malte in der katholischen Kirche in Teufen grossformatige Fresken; eine junge Frau in Heiden lernte den internierten Australier Croft kennen und zog nach Kriegsende zu ihm in seine Heimat; etc. Zur Sprache kommt aber auch Allgemeines zur Internierung und ihrer Geschichte. Im Ausstellungskino laufen ergänzende Filme.

LinkProspekt zur Ausstellung
LinkVeranstaltungen zur Sonderausstellung

LinkBericht Appenzeller Zeitung zur Vernissage

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wil

 

 

 

 

 

 

 

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